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Musik begeistert

Über uns - Pressestimmen - Schwäbische Post Ellwangen 13.09.10

Mit großem Atem zu orchestralem Klang
Die 71 Mitglieder des Landes-Jugend-Blockflötenorchester sorgten in der Stadtkirche Ellwangen für bewunderndes Staunen

Eine wahre Rarität hat das Landes-Jugend-Blocklötenorchester am Samstag in der evangelischen Stadtkirche Ellwangen geboten. Das Ensemble, einzigartig in Deutschland, entspringt der Initiative der Musikpädagogin Sally Turner. 71 junge Musici im Alter zwischen 9 und 20 Jahren, die sich zu den besten jugendlichen Blockflötisten des Landes zählen dürfen, erarbeiteten auf der Kapfenburg ein Programm anspruchsvollster Literatur. Musiziert wurde in großer Besetzung von Piccolo bis Großbass.

HERMANN WEIGOLD

Das Orchester, das sich in kurzer Zeit einen bedeutenden Namen gemacht hat und nicht nur aus dieser Sicht der Fördermittel des Landes würdig wäre, wird von den Musikerinnen Kirsten Christmarin, Daniela Schüler, Sally Turner und Christina Rettich fachlich hervorragend geleitet. Die Zukunft im Auge, spielt das Ensemble als Haupt- und als Juniororchester, die beide bei diesem Konzert ihren Auftritt hatten. Es ist bemerkenswert, dass darunter auch Julia Mai, Jonathan Hock und Jonas Weigold, Schüler der Ellwanger Musikschule (Diana Meyer-Krämer) vertreten sind.

Das Hauptorchester eröffnete mit der viersätzigen "Capriol-Suite" von Philip Heseltine (Pseud.: Peter Warlock 1894-1930). Gleich beim "Basse Dance" fiel auf, dass diese große Flötengruppe einen homogenen orchestralen Klang überzeugend entwicken kann und linienklar (ohne dicke Bässe) zu musizieren weiß. Die choralartig daherschreitende "Pavane" ließ ausgereifte Atemtechnik erkennen. Der "Bransle", ein geglückter Griff in die Renaissance, bestach durch seine klare rhythmische Gliederung und perlende Läufe, vom Diskant abwärts verklingend.

Von S. Richards arrangiert, folgte das Concerto Opus 3 Nr. 2 des zu seiner Zeit "an der Spitze aller damals lebenden Meister" stehenden Francesco Geminiani (1687-1762). Das "Largo e staccato" wurde mit klarer Punktierung gespielt, die nie ein hartes Stakkato war. Das "Adagio" mit heiklem Beginn führte zu bewundernswerter organischer Klangentfaltung mit Ruhe verströmendem Spiel der Bässe. Die "Canzon super Cantionem Belgicam" von Samuel Scheidt (1587-1654) vermittelte höfische Spielfreude, die durch ihren rhythmischen Charakter den Tänzer geradezu in die Phantasie des Zuhörers schob. Bemerkenswert die korrespondierenden Register und das lebendige Tutti.

Die Sinfonia d-moll des Lombarden Gaetano Donizetti (1797-1848) bot das exzellente Arrangement eines Orchesterwerks, in einer äußerst ungewöhnlichen Besetzung mit meisterhafter Umsetzung durch Orchester und Dirigentin. Hier blieben keine Wünsche offen! Der geschlossene Ensemble-Klang, filigran bis in feinste Verästelungen. Ein Hörgenuss auch im Unisono- Spiel.

"La Florentina" von Ludovico Viadana (1560-1627) für zwei Chöre zu vier Stimmen bot ein doppelchöriges Musizieren, zusammen mit dem Iuniorenorchester: 71 Blockflöten spielten und auch hier stand die Intonation nie in Frage.

Das anschließende Programm des Junior-Orchester hatte ein stilistisch breit gefächertes Programm: Vom Engländer John Playford (1623-1686) wurden vier Sätze aus "The Dancing Master" gespielt, die ein selbstbewusstes und stilsicheres junges Ensemble vorstellten. Die Tafelmusik von Johann Fischer (1646-1716) beeindruckte durch gravitätischen Grundcharakter und klarer Basslinie. Spielfreudige Mittel- und Oberstimmen jubelten eine festliche Stirmmung, die darob die "Tafel" vergessen ließ.

Mit Brian Bonsors (*1942) "A Wheen o Whustles" hörte man eine melodiensprühende Spielmusik, auf Freude machendem Kontrapunkt fußend, was den hochkonzentriert Musizierenden durchweg anzumerken war. Das Venezianische Gondellied von Irmhild Beutler (*1966), wurde als ein "tonmalerisches" Schaukeln der Gondel musiziert. Ein Lob der virtuosen Soloflötistin.

Und dann der gelungene Sprung in die Avantgarde mit "Der Hecht" von Agens Dorwarth (1953). Christian Morgensterns Gedicht war dazu Programm, das die Zuhörer restlos begeisterte in seiner Kombination dissonanter Klänge, Sprechgesang und komplizierter Rhythmen, das alles unvermutet in Schuberts "Heilig" mündete. Das Hauptorchester setzte mit vier in jeder Hinsicht anspruchsvollen Kompositionen den Schlussakkord. Benjamin Thorns (*1961) Frage: "Is there enough room?", quasi als musikalischer Rundgang, im Halbrund des Chorraums platziert, führte wandelnde Klänge vor, durchaus tonal beginnend. Beeindruckend dann die scharfen Dissonanzen mit klaren Melodieelementen in ausdrucksstarkem Spiel. Das von Helge Øye arrangierte "Guter Mond" ist ein komplizierter Kontrapunkt, der nur bedingt die bekannte Melodie durchscheinen lässt und mit einem abrupten Schluss endet.

Den Abschluss des bemerkenswerten Konzertes bildete "Force 12" des Amerikaners Russell Garcia (*1916), arrangiert von Paul Leenhouts. Der dem Junior-Orchester angehörende Jonas Weigold wirkte dabei als präziser Schlagzeuger. Das Jazz-geprägte Werk bildete mit seinen extremen Herausforderungen einen krönenden Abschluss als Solo und Ensemble-Leistung von großem Format.

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Die nächste Arbeitsphase ist vom 23.2. bis 25.2.2018 in Weil der Stadt.

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