Über uns - Pressestimmen - Nürtinger Zeitung 15.09.09

Schwerelos und fröhlich elegant
Konzert des Landes-Jugend-Blockflötenorchesters in der Rudolf-Steiner-Schule - Ein junges Ensemble

von Günter Schmitt
 
Nürtingen. Die Flöte ist das älteste Musikinstrument der Menschheit. Schon die Steinzeitleute schnitzten sich, wie Funde belegen, aus Schwanenknochen Flöten zurecht. Dass es die Flöte auch in überaus zahlreichen Abwandlungen gibt, zeigte am Sonntag im Großen Saal der Rudolf-Steiner-Schule ein Konzert des Landes-Jugend- Blockflötenorchesters.

Das vor zwei Jahren gegründete Orchester, bisher das einzige seiner Art in ganz Deutschland, bietet einen unverwechselbar warmen Holzbläserklang. Manchmal orgelte es durch den Saal wie bei einem Gottesdienst in der Kirche. Das Orchester besteht aus begabten Blockflötisten, von denen die meisten schon Erfolge beim Wettbewerb "Jugend musiziert" erreichen konnten. Das Hauptorchester musizierte unter der Leitung von Sally Turner und Daniela Schüler und besteht aus 47 Musizierenden zwischen 14 und 21 Jahren.

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Im erst jüngst gegründeten Junior-Orchester, das von Christina Rettich und Kirsten Christmann geleitet wurde, spielen 22 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 13 Jahren. Die kommissarische Trägerschaft des Orchesters haben zur Zeit noch drei Musikschulen. Gespräche mit einem potenziellen Träger sind im Gange, wie Ole Abraham, der Leiter der Neckartailfinger Musikschule, die auch Veranstalter des Konzerts war, bei der Begrüßung wissen ließ. Etliche der Instrumentalisten waren für das Konzert einen weiten Weg gekommen, von Mössingen, Freistetten oder Kornwestheim bis nach Nürtingen.

Das von kluger Hand zusammengestellte Programm bot in seiner Vielteiligkeit für jeden etwas. Bis in die Barockzeit hinein bestimmten an den Höfen Holzbläser Bild und Klang des Musizierens. Einige Programmteile schienen wie ausgewählt, um dies zu illustrieren, zum Beispiel die Tänze des 1560 geborenen Engländers William Brade. Damals wurde viel getanzt. Königin Elisabeth zum Beispiel, eine leidenschaftliche Tänzerin, begann den Tag regelmäßig mit einigen Tanzrunden. Das Orchester gab den Tänzen Leichtigkeit und fröhliche Eleganz, als wenn es nie etwas anderes getan hätte.

Dass sich das Hauptorchester wie das Junioren-Orchester auch an Moderneres wagte, verriet sowohl Sicherheit wie Selbstvertrauen. Der "Elbtraum" des 1945 geborenen Hans Teschner ist eine solche Komposition, wo die zwei Orchester überhaupt keine Scheu zu haben schienen, neue Wege zu gehen. Man nehme nur "The River" von Sylvia Rosen, einem Stück Musik mit zart pochendem Rhythmus, kurzen vokalen Einlagen oder der beharrlichen Repetition einer kühlen musikalischen Figur. Hier gelang es dem Orchester, eine unverwechselbare Stimmung zu beschwören.

Als nicht minder anspruchsvoll - und vom Orchester souverän realisiert - erwies sich eine Komposition von Juan de Aurejo für drei Blockflötenchöre, wobei eine Gruppierung fern von der Bühne platziert war.

Dass ein Blockflötenensemble auch nicht vor Farbwerten zurückscheuen muss, zeigte sich in der Komposition "Manchester Welcome" des Zeitgenossen Colin Touchin. Hier wurden nicht nur die Möglichkeiten des Orchesters voll ausgeschöpft, die fein abgestuften, delikaten Stimmungen verrieten auch eine gründliche Vorbereitung. Nicht minder galt dies für die "Morning Ouverture" von Pete Rose mit ihren in die Partitur eingeflochtenen Elementen des Jazz. Die Rhythmen kamen it präziser Schärfe, und keine Synkope ließ an Klarheit zu wünschen übrig. Es ist ganz bemerkenswert, was ein Orchester zwei Jahre nach der Gründung schon auf die Beine stellen kann.

Das Ereignis des Abends bildete das "Triple Concerto" von Steve Marshall mit den Solistinnen Katharina Scheffler, Noomi Müller und Carolin Hettler. Es ist eine Musik, wie sie nur entstehen kann vor dem Hintergrund einer langen Tradition. Vor allem der zweite Satz mit seinem weichen Holzbläserklang und den melancholisch getönten Melodien ließ aufhorchen. Das Dialogisieren zwischen hellen Soloflöten und den sonoren Subflöten war ein reiner Hörgenuss. Der burschikos um ein simples Thema rotierende dritte Satz bildete einen effektvollen Schlusspunkt. Als ebenfalls auf Wirkung ausgelegt erwies sich das kapriziöse Stück "Ixi-Mixi-Trixi" von Paul Leenhouts.

Das Publikum bedankte sich mit prasselndem Beifall, es gab Blumen, viele "Vorhänge" - und eine Zugabe: den melodienseligen "Spanischen Tanz" von Moritz Moszkowski.

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